Blick auf Town Hall und Tower Bridge

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Bilder London

In Sichtweite der Tower-Bridge

More London, more Syspro

Mitten in London, am Südufer der Themse zwischen London Bridge und Tower Bridge, harrte jahrzehntelang ein letztes fünf Hektar großes, aufgelassenes Hafengelände, früher als „Speisekammer Londons“ bekannt, der städtebaulichen Entwicklung. Nägel mit Köpfen wurden 1999 gemacht, als die Stadt die Entwicklungsgesellschaft More London Development einsetzte und das Büro des Architekten Sir Norman Foster, Foster und Partner, mit einem Masterplan beauftragte.

Das städtebauliche Entwicklungsgebiet More London liegt ausgesprochen zentral und ist hervorragend ins öffentliche Nahverkehrsnetz integriert. Aufgabe der Planer war, die Brache mit geschäftlichem und kulturellen Leben zu erfüllen und mit dem historisch gewachsenen Stadtkern neu zu verknüpfen.

Der Masterplan siedelt in dem neuen Stadtviertel eine bunte Mischung aus Büros, Theatern, Läden, Cafés und Restaurants an. Mehr als die Hälfte der Fläche des Planungsgebietes ist öffentlicher Stadtraum mit baumbestandenen Wegen und Plätzen, Kunstwerken, Wasserspielen und der neuen Uferpromenade Queenswalk. Der Entwicklungsplan von More London schuf Planungsrecht für rund 280.000 m2 Nutzfläche, davon 186.000 m2 hochwertige Büroflächen mit 20.000 Arbeitsplätzen.

In einem markanten kugelförmigen Gebäude am Queenswalk, der City Hall, haben die Verwaltungen von Stadt und Großraum London Quartier bezogen. Weitere Blöcke sicherten sich große Investmentgesellschaften, Unternehmensberatungen, Anwaltskanzleien und Handelshäuser. Eines der neu zu bebauenden Grundstücke war für ein Vier-Sterne-Hotel reserviert. Hier eröffnet im Laufe des Jahres das Hilton London Tower Bridge mit 245 Zimmern, Konferenz- und Banketträumen für 400 Personen sowie einem Business-Center, Bars und Restaurant. Der Entwurf einschließlich Innenarchitektur stammt vom Büro Jestico + Whiles, London.

Die Architekten entwarfen ein 12stöckiges, stark gegliedertes Gebäude, für dessen Errichtung ein ausgesprochen knapper Zeitplan vorgegeben wurde. Die Rohbauarbeiten, einschließlich Ausschachtung und Gründung, wurden an die Firma John Doyle Constructions, Hertfordshire, vergeben, mit einem Zeitrahmen von 40 Wochen.

Doyle hat sich in den letzten Jahren intensiv mit Vorfertigungsmethoden befasst und zählt zu den ersten Unternehmen in Großbritannien, die vorgefertigte Betonbauteile mit Gitterträgern einsetzen. So auch beim Neubau dieses Hilton-Hotels. Eine große Rolle spielten dabei die Vorteile, dass die Schalungs- und Bewehrungsarbeiten zum großen Teil ins Werk vorverlegt werden und so auch anspruchsvolle Maßtoleranzen, z. B. für werkseitig einzubetonierende Anschluss- und Befestigungselemente zielsicher zu realisieren sind.

Bei der Einführung des Bauens mit Elementdecken und Doppelwandelementen auf dem britischen Markt arbeitet Doyle eng mit einem deutschen Fertigteilwerk, Betoform aus Remscheid, einem Mitglied der Syspro-Qualitätsgemeinschaft, zusammen. So kam es, dass deutsche Betonfertigteile über den Ärmelkanal nach London verfrachtet wurden, um den Bau des Hilton-Hotels zeitplangerecht voranzubringen.

Flankierend setzte eine rege Kommunikation per Fax und E-Mail zwischen London und Remscheid ein, um die Baupläne in CAD-Produktionspläne für die computergesteuerten Umlaufanlagen des Fertigteilwerks umzusetzen. Für die Obergeschosse 3 bis 12 lief die Planung auf einen strammen Arbeitstakt von 5 Werktagen je Geschoss hinaus − jeweils 21 Zimmer, Flure, Nebenräume, Aufzugsschächte und Treppenhäuser. Je Etage waren 1085 m2 Elementdecken und 820 m2 Doppelwandelemente zu liefern, zu liefern zu montieren und mit Ortbeton zu verfüllen.

Die Elementdecken mit einer teils 6, teil 6,5 cm dicken Betonschale erhielten eine spezielle anbetonierte Aufkantung in Deckenhöhe. Werkseitig eingebaut wurden Schraubanker für Absturzsicherungen und die Befestigungselemente für die Fassadenverkleidung. Da ein Gebäudeteil eine kreisbogenförmige Fassade aufweist, waren auch Deckenelemente mit einem Kantenradius von 18 m zu produzieren.

Der Rohbau des Hotels konnte in dieser Bauweise praktisch ohne Einrüstung hochgezogen werden. Nach Eintreffen der Lkw aus Deutschland schraubten die englischen Monteure die Geländer an die Vorderkante der liegend angelieferten Decken an, hakten das Montagegehänge ein, und schon konnte der Kran das Element an seinen Platz befördern.

Die Wandelemente für 20 cm Wanddicke hatten beiderseits eine 6,5 cm dicke Betonschale und einen den statischen Erfordernissen entsprechenden hohen Bewehrungsanteil. Aussparungen wurden werkseitig mit Faserbetonaufkantungen als verlorene Schalung ausgebildet.

Klar, dass bei der Lieferentfernung nach London die Transportplanung eine zentrale Rolle für den Erfolg spielte. Die Abmessungen der Lieferpakete richteten sich nach der Ladekapazität eines normalen Lkw der beauftragten Spedition, maximal 3 m breit und 12 m lang, Höchstgewicht 24 Tonnen. Gleichzeitig musste jedoch der Just-in-time-Grundsatz gewahrt bleiben, weil am Zielort keine Zwischenlagerung möglich war. Die Fertigteile mussten also montagegerecht zusammengestellt und verladen werden. Jeder Transport dauerte je nach Fährfahrplan und Verkehrslage zwei bis drei Tage. In der Spitze überquerten pro Woche zehn Lkw per Fähre den Ärmelkanal. Insgesamt lieferte Betoform 196 Lkw-Ladungen mit 8.900 m2 Doppelwandelementen, 7.700 m2 Elementdecken und 16 Fertigtreppen nach London.

Mit dem Bau des Hotels wurde im Herbst 2004 begonnen. Die heiße Phase des Rohbaus mit den Fertigteillieferungen spielte sich im 1. Halbjahr 2005 ab. Fertigbäder, die wie eine Schublade in den Baukörper geschoben werden, trugen zur weiteren Straffung des Bauablaufs bei. Im Herbst 2005 waren die Fassadenelemente montiert, und der Innenausbau konnte beginnen. Die Eröffnung des Hilton Towerbridge ist für das dritte Quartal 2006 geplant.

 

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