Brücke aus Textilbeton

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Brücke aus Textilbeton

Einen im wahrsten Sinne des Wortes konstruktiven Beitrag zur Baustoff-Forschung hat die Betonwerk Oschatz GmbH geleistet. Was Wissenschaftler der TU Dresden entwickelt haben, setzte das Syspro-Mitglied in die Tat um: Eine innovative Betonbrücke, die nur ein Fünftel im Vergleich zu herkömmlichen Stahlbetonbrücken wiegt, dank Bewehrung mit Textilfasern statt Stahl. Es handelt sich um eine Fußgängerbrücke über das Flüsschen Döllnitz. Die Brücke wurde im Werk vorgefertigt und auf dem Gelände der Landesgartenschau 2006 in Oschatz montiert.

Dietmar Schurig, Geschäftsführer der Betonwerk Oschatz GmbH, ist davon überzeugt, dass er mit textilbewehrten Betonprodukten eine vielversprechende Neuerung in sein Programm aufnimmt. Sein Sohn, Dipl.-Ing. Matthias Schurig M.Sc., leitete das Brückenprojekt seitens des Betonwerks.

Die Faserbewehrung von Beton ist im Prinzip eine altbekannte Technik. Stahl muss bekanntlich durch eine hinreichend dicke Betonüberdeckung vor Korrosion geschützt werden. Anders ist es bei Materialien, die nicht rosten. Matten, Gelege oder Gewebe aus textilen Fasern können auch nahe der Oberfläche eingebaut werden. Das Bauteil kann daher extrem schlank und trotzdem tragfähig sein.

Eine Weltneuheit ist es, Betonbauteile mit einem netzartigen Gelege ausschließlich aus Textilfasern zu bewehren. Im konkreten Fall der Brücke in Oschatz sind die Segmente nur 3 cm dick. Daraus ergibt sich eine Gewichtsersparnis von vier Fünfteln – die Brücke wiegt nur 5 t, während eine vergleichbare Stahlbetonbrücke 25 t wiegen würde. Die Brücke aus „Textil-Beton” ist 9 m lang; sie besteht aus zehn je 90 cm langen, U-förmigen Segmenten, die mit sechs Stahllitzen vorgespannt werden.

Diese Innovation ist ein gelungenes Beispiel für den Technologietransfer aus der universitären Forschung in die mittelständische Wirtschaft. Für die beteiligten Unternehmen bedeutet die Umsetzung eines solchen Technologietransfers in der Regel einen finanziellen Kraftakt. Denn die Entwicklung eines Prototyps bedeutet Aufwand ohne Ertrag, zumeist ohne Hilfen durch staatliche Förderung.

Wie aufwendig das werden kann, zeigt das Beispiel der Brücke aus Textil-Beton. Die Brücke musste zwei Mal produziert werden. Das erste Exemplar war dazu bestimmt, im Otto-Mohr-Laboratorium der TU Dresden gründlich durchgemessen und bis zur Zerstörung belastet zu werden. So konnten die Forscher Aufschluss über das Tragverhalten des neuen Baustoffs gewinnen. Das Testexemplar bestand alle statischen Prüfungen mit Bravour; die gemessenen Werte haben alle Erwartungen übertroffen. Erst beim mehr als Dreifachen der geforderten Belastung zerbarst der Brückenkörper. Mit den Erfahrungen aus diesem Testlauf produzierte das Betonwerk dann die eigentliche Brücke. Sie wurde im August 2005 montiert und erwartet nun ihre definitive Inbetriebnahme bei Eröffnung der Landesgartenschau am 22. April 2006.

Weitere Projektbeteiligte:
GWT Gesellschaft für Wissens- und Technologietransfer der TU Dresden mbH: http://gwtonline.de
TU Dresden, Sonderforschungsbereich 528 "Technische Textilien zur bautechnischen Verstärkung und Instandsetzung": http://sfb528.tu-dresden.de/