Auf Nummer sicher

Neue JVA Hamburg-Billwerder mit hohem Anteil an Betonfertigteilen errichtet

Justizvollzugsanstalten sind Zweckbauten, bei denen die Funktionalität Vorrang hat. Eine besondere Herausforderung für die bauausführenden Unternehmen war beim Neubau der JVA Hamburg-Billwerder, dass der Bauherr „auf halbem Wege“ die Funktion grundsätzlich änderte. Ursprünglich geplant war eine Anstalt mit 382 Plätzen für den offenen Vollzug. Nach einer Veränderung der „politischen Landschaft“ in der Hansestadt erfolgte die Umplanung auf eine geschlossene Haftanstalt für rund 800 Häftlinge.

Den Auftrag für die schlüsselfertige Erstellung erhielt als Generalunternehmer die Bauunternehmung Müller-Altvatter, Dresden. Die Bauzeit war ursprünglich auf die Zeit zwischen Dezember 2000 und November 2002 angesetzt worden. Doch Ende April 2002 mussten Teilbereiche zwecks Umplanung gestoppt werden. Der Erweiterungsauftrag konnte im Oktober 2002 begonnen werden. Im Sommer 2003 wurde der Auftrag fertiggestellt. Seit Anfang Juli wird „eingesessen“.

Abgesehen von Änderungen der funktionalen Raumaufteilung und der generellen Anhebung des Sicherheitsstandards der Gefangenenunterbringung sah die Umplanung vor allem die Erweiterung des Haupthauses um einen Anbau vor.
Insgesamt entstanden auf dem 200.000 m
2 großen Areal
– das Verwaltungsgebäude mit Arrestzellen und Krankenstation,
– ein Kantinen- und Großküchengebäude,
– drei zweigeschossige, L-förmige Hafthäuser,
– fünf Werkhallen,
– eine Sporthalle sowie Sportplätze.

Von den Architekturmerkmalen der Fassade hatte der Auftraggeber sehr konkrete Vorstellungen: Hell und gleichmäßig, mit Scheinfugen optisch aufgelockert, am besten in Waschbeton. Beraten durch das konzernverbundene Betonfertigteilwerk und Syspro-Mitglied Müller-Altvatter, Holzminden, schlug die Bauunternehmung vor, die Fassadenteile mit Titanoxid-Zusatz aufzuhellen und die Oberfläche in Teilbereichen mit Sandstrahlen zu behandeln, um einen günstigeren Lichtbrechungseffekt zu erzielen.

Aufgrund von Grundrissen und Baukörpergestaltung hatte es sich angeboten, den Rohbau sehr weit gehend aus Betonfertigteilen zu errichten. Trotz Geländeaufhöhung weist das Areal in der Elbniederung einen hohen Grundwasserstand auf. Gegründet wurde das Bauwerk auf mehr als 1.200 Betonrammpfählen, die teils durch Ortbeton, teils mit Fertigteilbalken untereinander verbunden wurden.

Die Gebäudesohle besteht aus rund 11.000 m2 Syspro-Montaquick-Elementdecken, die auf dem Fundamentbalkenrost ruhen. Diese Fertigteile lassen sich besonders einfach und schnell (daher „monta-quick“) einbauen. Dank verstärkter Gitterträger lassen sich Spannweiten bis 5 m einfach realisieren. Unter der Gebäudesohle befindet sich etwa 1 m hoher Kriechkeller, in dem die Versorgungsleitungen geführt werden. Für die Geschossdecken lieferte das Müller-Altvatter-Werk Holzminden ca. 21.800 m2 Syspro-Tec-Elementdecken. Die Außenwände sind Sandwichelemente mit der bereits erwähnten Oberflächengestaltung.

Doch der Syspro-Baukasten hatte für eine rationelle, schnelle und qualitätssichere Bauausführung noch mehr zu bieten, etwa Attika-Elemente, Treppen und Podeste. Dabei erwies es sich als vorteilhaft, dass in die Betonfertigteile bereits im Werk Einbauteile wie Fenstergitter, Elektro-Leerrohre und Dosen und sogar Sonnenschutzanlagen integriert werden konnten. Somit sind viele Arbeitsgänge der Ausbaugewerke bereits vorweggenommen worden. Die Vorteile: Beschleunigung des Bauablaufs und Erhöhung der Qualität.